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Geschichte und bauhistorische Beschreibung Villa „Vier Jahreszeiten“
 
An einem Höhenzug westlich dem bebauten Tal der Pleiße befindet sich auf dem  ehemaligen Gottesacker seit  einhundert Jahren der Bismarckpark. Über die angrenzende Gabelsbergerstraße, vormals Obere Königstraße, gelangt man in ein heute vollständig saniertes Villengebiet.
 
Am  höchsten  Punkt  gegenüber  der  Bismarckgrotte und einer  mit Figuren der vier Jahreszeiten geschmückten alten Fußgängerbrücke, wurde um 1903 vom Crimmitschauer Baumeister Emil Birkner diese herrschaftliche Villa errichtet.
Ihr Bauherr, der Textilfabrikant und Stadtrat Bernhard Schönfeld, war durch die industrielle Herstellung des Mantelstoffes „Eskimo“ in der 1841 gegründeten und ehemals ca.1km entfernten väterlichen Tuchfabrik zu Reichtum und Ansehen gekommen. 
 
  
 
Obwohl bereits 1824 die erste Dampfmaschine in der Stadt stand und Crimmitschau 1844 schon ans Eisenbahnnetz und 1854 an dessen Telegraphensystem angeschlossen war,lebten und arbeiteten bis zur Reichseinigung durch Bismarck die Tuchmacherfamilien in kleinen Kammern  und dichtgedrängten Altstadthäusern. Um den wirtschaftlichen Erfolg seiner Familie in der Gründerzeit zu zeigen, ließ Bernhard Schönfeld hoch über seiner Fabrik in mitten der Natur eine Villa  im Stil des Historismus erbauen. So zieren  nicht nur einfacher Putzstuck, sondern feiner Elbsandstein, mehrere Bleiglasfenster  und ein schmiedeeisern bekröntes Schieferdach die teure Klinkerfassade.
In Deutschland waren entsprechend dem Prunkbedürfnis der preußischen  Monarchie  im späten Historismus  barocke Gestaltungselemente vorherrschend.
Hohe gebrochene Dächer und einschwingende Gebäudeteile mit weichen Linien sind charakteristisch.  Dieser Neobarock wird in reduzierter Form Ende des 19. Jahrhunderts dann Vorbild für den Jugendstil.
Das fortschrittliche Bürgertum wandte sich zunehmend  dieser neuen Kunstform zu.
Leider war der Jugendstil ein kurzes Phänomen und die herrlichen Blumenmotive  verblühten schnell in den Schützengräben des ersten Weltkrieges.Jedoch haben die unvergleichlichen Formen  auch heute nicht an Attraktivität verloren. Dieser Reichtum an Ornamentik war kostspielig, aber er entsprach den hohen ästhetischen Ansprüchen einer gebildeten, den Handwerkskünsten ein Äußerstes abverlangenden Bürgerschicht.
 
Deshalb wurde die Villa nicht klassisch als strenger würfelförmiger Kubus, sondern  mit zurückgesetzten Gebäudeteilen ,Loggien, Balkonen und Veranda konzipiert.
Wie im Barock, existiert  eine Geschosshierarchie mit Beletage, sowie eine frontale und axiale Fassadenteilung. Alle Schmuckelemente sind plastisch und nicht lösbar in das Gesamtkonzept einbezogen.
Geschwungene Lukarne mit Wappenkartuschen, Hauben und Gauben aus besagtem Elbsandstein unterbrechen das altdeutsch geschieferte hohe Mansarddach. Mittelrisalite aus gebändertem Sandstein mit einem Karyatiden gestützten Altan auf der Ostseite und ein monumentales Bleiglasfenster im Westen gliedern die der Gotik angelehnten Klinkerfassade. Bossen, Friese, Gesimse und Balustraden aus Sandstein lockern das nur durch  Entlastungsbögen unterbrochene Klinkermauerwerk weiter auf. Hier klingt die solide Maurerausbildung der Schinkelschen Akademie des aus dem Handwerk stammenden Baumeisters durch.
 
Mit reduziertem Sandsteinschmuck ausgestattete Bekrönungen, Brüstungen und Gewände zieren die gerahmten Rundbogenfenster. Wobei dieses Gestaltungsmerkmal mit seiner Horizontalbetonung eher zur Renaissance gehört.
Spielerisch und leicht ist an dem Haus der bereits erwähnte Übergang von den geschwungenen Elementen des Neobarocks zum Jugendstil an Hand der schmiedeeisernen Teile von Einfriedungen, Geländern, Vordächern sowie der Fenstergitter des Sockelgeschosses zu sehen.
Auch viele Sandsteinelemente sind bereits im Jugendstil ausgeführt.
Dieser, den Späthistorismus kennzeichnenden Stilpluralismus setzt sich beim Betreten des seitlich liegenden Vestibüls und der Zentralhalle fort.
Während die Raumaufteilung mit Enfilade, die Putten der Treppe, Wandverkleidung und Türen aus wertvollem Holz sowie bemalte Rundbogensupraporten Neobarock und Neorenaissance zuzuordnen sind, ist der reduziert ausgeführte Stuck an den Wänden und Decken reiner Jugendstil.
So ist auch die Dekormalerei,klarer als die Außengestaltung der zeitlichen Entwicklung des Innenausbaus folgend, dem Jugendstil verpflichtet.Fünf romantische Gemälde mit Darstellung der venezianischen Isola di San Giorgio Maggiore über den Türen der unteren Halle sind dabei eine Anspielung auf Andrea Palladio,dem Begründer  bürgerlicher Villenarchitektur.So leuchten aus Liebe des Bauherren zu Venedig die Farben der venezianischen Flagge,Bordeauxrot und Sandgelb, nicht nur an der Fassade, sondern auch in den  Innenräumen.
 
Wenn auch das die Freitreppe zwischen unterer und oberer Halle dominierende Bleiglasfenster mit Abbildung der Königin Luise noch als Symbol der Treue zum preußischen Kaiserhaus erscheint, ist das Jugendstilinterieur mit seinen dynamischen Linien Ausdruck der industriellen Revolution  mit  progressiver Symbiose von Kunst und Technik.
Die Technisierung der Textilproduktion führte Ende des 19. Jahrhunderts zur Blüte der Stadt und ermöglichte so letztlich den Bau vieler repräsentativer Häuser in Crimmitschau. Allein Baumeister Birkner hat zwischen 1888 und 1911 mindestens 5 weitere Villen für die Familien Spengler,Händel,Schmidt,Strauß und Öttel errichtet..
 
Um 1900 gab es im "sächsischen Manchester" über 100 Textilfirmen und pro Einwohner die höchste Millionärsdichte im Deutschen Reich.
Bernhard Schönfeld starb im Jahr 1931.Die Fabrik führten bis zur Enteignung nach einem Volksentscheid in Sachsen 1946 seine Söhne Walter und Wilhelm. In Volkseigentum  nahmen die Fabrikgebäude  im Sozialismus so Schaden,  daß sie  Ende der  90er Jahre  komplett abgerissen werden mußten. Die Witwe Johanna Schönfeld überlebte ihren Mann nach Verlust großer Teile des Gartens und des Kutschenhauses nach einer Erbregelung um 23 Jahre. Zusammen mit Tochter Johanne,seit 1920 mit dem Sohn des Baumeisters Emil Birkner verheiratet und einer aus Italien stammenden Schwiegertochter bewohnte sie bis 1954 die mittlere Etage.
Ende des 2. Weltkriegs wurde Crimmitschau und die Villa vom 15.April bis 01.Juli 1945 von der amerikanischen Armee besetzt. Während der nachfolgenden  sowjetischen Fremdherrschaft wohnten neben  der Fabrikantenfamilie zunächst Umsiedler und bis drei Jahre  nach der Wiedervereinigung nur noch Fremde in der  von der Gebäudewirtschaft als Mehrfamilienhaus verwalteten Schönfeldvilla. Die Bleiglasfenster und viele der wertvollen Einbauten sind in Folge Plünderung durch einige Mieter und der KoKo von Schalk-Golodkowski in dieser Zeit abhanden gekommen.Nach weiteren 7 Jahren des Verfalls und Leerstands kaufte im Mai 2000 die ortsansässige Arztfamilie Gabor den in Nachbarschaft zu ihrem Vital Center liegenden Restbesitz der Erbengemeinschaft Schönfeld. Im Verlauf von 6 Jahren erfolgte eine von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz geförderte Restaurierung und der Umbau zum Hotel. Behutsam wurde ein Fahrstuhl eingebaut und die Freitreppe  bis zum Bankettraum an Stelle der ehemaligen Hausmeisterwohnung im Untergeschoß verlängert. Aus den großen Lagerräumen wurde ein Schönheitssalon mit Kaiserbad und der  zur Raucherlounge umgebaute Kesselraum steht  auch heute  noch unter Dampf.Zum Erhalt der totalen Freiständigkeit mußte ein Tunnel von der Villa zum ebenfalls neu errichteten Laubengang im Garten gegraben werden.Der  Gang verdeckt die Rückfront des nicht mehr zur Villa gehörenden ehemaligen Kutschenhaus und ist die Anbindung an ein noch im Umbau befindlichen Bettenhauses. Alle Zimmer wurden von raumteilenden Wänden aus der DDR-Zeit befreit und die hintere Veranda verglast.Die ehemaligen Gästezimmer im Dachgeschoß und die Wohnräume der mittleren Etage wurden um Bäder im Stil der Bauzeit ergänzt und  ausschließlich mit Originalmöbel der Gründerzeit eingerichtet.Nach mehrjähriger Suche wurde auch das originale Luisen-Fenster der Freitreppe wieder eingebaut. Als Alternative zu den in Beton gegossenem Millimeterpapier  unserer stillosen Epoche eröffnete Dipl.-Bauing. Cornelia Gabor im August 2006  die "Villa Vier Jahreszeiten" als museales Restaurant und Hotel.Die Namensgebung erfolgte in Bezug zu den Gemälden der Empfangshalle und der mit Venedig verbundenen Musik Vivaldis. Im  ersten Haus am Platz erlebt man als Gast nun eine längst vergangene Epoche und spürt in den Räumen wieder die familiären  Ideale der einst von der Bauherrenfamilie verehrten Königin Luise von Preußen. In der Schönfeld-Chronik ist zu lesen, daß "in der Zeit der tiefsten Erniedrigung Deutschlands" im Jahre 1810,welches auch das Todesjahr der Königin Luise ist,der Firmengründer und Vater von Bernhard Schönfeld das Licht der Welt erblickte. Im Kaiserreich und in der Familie Schönfeld wurde diese Zeit als Beginn einer glorreichen Zukunft  im Gedächtnis gehalten...
 
In der Villa ist so auch  eine umfassende Bücher- und Postkartensammlung sowie eine Dauerausstellung  zur  Verehrung der Königin Luise  durch das  deutsche Bürgertum untergebracht. Anlässig ihres 200. Todestages wurde am 19. Juli 2010 hier der Königin Luise Bund gegründet.  
                                                                                     
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